Anfang November 2025 schrieb Spiegel Online unter Berufung auf eine Studie, dass es im Internet inzwischen mehr KI-generierte Texte gibt als von Menschen geschriebene. Ich vermute, das ist noch vorsichtig formuliert.
ChatGPT und Co. sparen Zeit und Nerven – und Zeit ist Geld. Klar.
Zahlreiche aktuelle Medienartikel weisen dieser Tage darauf hin, dass KI-generierte Inhalte viele Falschinformationen enthalten. Das sollte uns allen bewusst sein, wenn wir Texte produzieren und Texte konsumieren. Aber darüber will ich eigentlich gar nicht schreiben.
Mich beschäftigt folgende Frage:
Wie verändert sich durch diese standardisierte KI-Text-Überflutung unsere Sprache und unsere Resonanzfähigkeit für Sprache?
Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt Resonanz als eine Weise, in der Welt zu sein, bei der wir berührt werden. Resonanz entsteht dort, wo etwas uns wirklich erreicht, wo es eine wechselseitige Bewegung zwischen Subjekt und Welt gibt.
Ich bin der Meinung, Sprache kann ein Medium solcher Resonanz sein. Nach Rosa entsteht Resonanz nur durch “das unverfügbare Andere”. Also wenn wir das, was uns berührt oder berühren soll nicht kontrollieren können. Es passiert einfach. Es lässt sich nicht planen, nicht herausfordern und nicht lenken. Es liegt also jenseits von Optimierungsversuchen und ist gerade wegen dem menschlich-unperfekten perfekt resonant.
KI-Texte sind in gewisser Weise das Gegenteil des Unverfügbaren – sie entstehen auf Abruf, nach Vorgabe, planbar, reproduzierbar und auch automatisierbar. Genau darin liegt ihr Nutzen – aber auch ihre Schwäche.
Texte im Internet müssen meiner Meinung nach per se keine Resonanz erzeugen. Sie sollen erklären, Wissen vermitteln und hilfreich sein. Das können menschlich überprüfte KI-Texte durchaus. Aber wenn wir immer öfter seelenlose, glattgebügelte Texte in derselben Manier lesen, KI-generierte Bilder und Filme sehen, was passiert dann mit unserer Resonanzfähigkeit?
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