Ist SEO tot? Ich bin mir nicht sicher. Denn Suchmaschinenoptimierung wird zunehmend von KI-Systemen übernommen werden können. Was noch vor wenigen Jahren mit aufwendiger Keywordrecherche, Redaktionsplanung, Themenrecherche und Textarbeit sowie technischen Analysen und Verbesserungen zu tun hatte, ist auf dem Weg, vollautomatisiert von KI übernommen zu werden. Die KI kann Webseiten analysieren, konkrete Verbesserungsvorschläge ausarbeiten, Varianten testen und Optimierungen automatisiert als Updates wieder auf der Webseite ausspielen.
Die Rolle des Menschen? Die KI einmalig mit Informationen füttern, klicken oder Intervalle für den Optimierungsprozess festlegen.
KI-Optimierungen sorgen für Einheitsbrei im Netz
Was passiert dadurch? Webseiten verändern sich sehr schnell und automatisiert nach Marktlogik. Der Nachteil: Alle tun das und dadurch verschmilzt das Angebot zu einem nur noch schwer voneinander unterscheidbaren Einheitsbrei. Rein kostenfreie Informationsangebote werden Stück für Stück aus dem Web verschwinden. Nicht alle. Hochwertige Angebote werden bleiben, aber insgesamt müssen sich die Angebote im Netz stark individualisieren und Infos bringen, die die KI nicht bringen kann, sonst gehen sie unter – egal, wie gut das Angebot tatsächlich ist.
Die Lösung: Individualität muss her
Was ist die Lösung? KI und Suchmaschinen verfolgen zunehmend die Strategie, individuellen beziehungsweise individualisierten Inhalten eine höhere Priorität einzuräumen. Das bedeutet, dass Seiten mit namentlich genannten Autorinnen und Autoren, mit Zitaten von echten Menschen, mit persönlichen Erlebnissen und Empfehlungen besser ranken oder in der KI wahrscheinlicher erwähnt werden. Individualität wird damit zum Wettbewerbsfaktor. Das Web individualisiert sich.
Diese Individualisierung, sofern sie monetär genutzt werden will, kanalisiert sich aber wieder, da Google und KI keine widersprüchlichen Informationen über eine Person mögen und davon irritiert sind. Das bedeutet, dass im monetären Idealfall Berufsbiografien, Kenntnisse, Hobbys und dergleichen ausgesprochen gut zum Shop, zur Webseite oder zum Autorenprofil passen sollten, beziehungsweise dass Gegebenheiten wie unstimmige Ehrenämter, Allerweltsnamen wie Lieschen Müller und nicht-lineare Biografien besser (online) versteckt oder vermieden werden, falls sie KI und Suchmaschine aus Irritation nicht sowieso von selbst aussortieren.
Online-Unternehmen sind zunehmend auf ihre Beschäftigten und Kunden als Privatperson angewiesen
Dieser Prozess hat bereits mit großen Schritten begonnen. Unternehmen sind auf LinkedIn auf die Netzwerke ihrer Beschäftigten angewiesen, um Reichweite zu generieren. Webseiten profitieren von Kundenmeinungen bei Google, Shops lassen ihre Beschäftigten auf der Webseite Produktempfehlungen aussprechen.
Wir sind es inzwischen gewohnt, unsere Daten für laue Gewinnspiele oder irgendwelche Punkte beim Einkaufen herzugeben. In Zukunft werden Unternehmen, die im Web überleben wollen, zunehmend versuchen (müssen) nicht mehr nur aus der Arbeitskraft ihrer Beschäftigten, sondern auch aus deren Netzwerken, Meinungen und (privaten) Webaktivitäten Kapital zu schlagen.